65. Internationale Polizeisternfahrt der IPMC in Moskau & Wladimir / Russland
7000 Kilometer Abenteuer – Russland hin und zurück mit dem Basilea 53
Russland – unendliche Weiten, gerade Strassen bis zum Horizont und Wald soweit das Auge reicht. Ein Abenteuer welches drei Sternfahrer unseres Corps mit dem Basilea 53 unter die Räder nahmen und dabei lernten wie man mit Toblerone Grenzübertritte beschleunigt und dass in Russland Staatsschutzbeamte auch mal ein Auge zudrücken können. Solche und weitere Anekdoten bot die unglaubliche Reise.
Es ist Sonntagmorgen und ich sitze am Steuer. Unser Ziel ist Moskau. Abgesehen vom Radio, welcher ein paar passende Country-Songs abspielt, ist es ruhig im Auto. Willy Goldschmidt ( Chef Stv. Polizeigarage) studiert die Karte und Kpl Tobias Zehnder (PW Kannenfeld, API) ruht sich etwas aus, er ist der nächste der dann fahren darf.
Nur noch 600 Kilometer liegen vor uns und ich habe Zeit zurück zu denken.
Planung für eine lange Reise
Seit über 6 Monaten haben wir die Reise geplant. Seitens des russischen Veranstalters gab es im Vorfeld einige Probleme, die fast dazu geführt hätten, dass es im Jahr 2011 keine Sternfahrt gibt. Der Vorstand der IPMC und vor allem Tobias als angehender Generalsekretär der IPMC konnte mit viel Aufwand noch alles retten. 6 Tage vor der Abreise kam dann auch endlich die erhoffte Einladung, mit der wir in Bern bei der Botschaft das Visum holen konnten.
Abenteuerliche Grenzerfahrungen
Die Reise bis zur russischen Grenze verlief sehr gut. Wir sind am Donnerstag den 21. Juli früh in Basel gestartet und am Abend erreichten wir bereits Poznan/Polen. Am zweiten Tag Vilnius,die Hauptstadt von Litauen und gestern Samstag 23. Juli Riga. Dort haben wir nahe der Grenze übernachtet. Lettische Zollbeamte hatten uns gesagt, dass der Grenzübergang nach Russland 24 Stunden geöffnet sei! Da wir aber gem. dem Visum erst per heute einreisen durften, war dies egal
Heute Sonntag 24.Juli standen wir am Morgen dann um 0500 Uhr auf und fuhren an einer 4 km langen Lastwagenkolonne vorbei zur lettisch-russischen Grenze. Etwa 15 Autos standen vor uns und warteten vor dem ersten Schlagbaum. Zurzeit gehe es nicht vorwärts wurde uns erklärt. Sie hätten alle hier übernachten müssen und man wisse nicht, wann es weiter geht.
Super, denke ich, von wegen 24 Stunden geöffnet. Das Internet hatte uns eigentlich vorgewarnt. Zwischen 6 bis 12 Stunden für die Einreise nach Russland schrieben da Leute in Foren. Nur - wir haben diese Zeit nicht und müssen am Abend in Moskau sein.
Der Grenzübertritt lief dann wie folgt ab:
0730 Uhr, Diskussion mit dem ersten lettischen Grenzbeamten, der schlechter englisch sprach, als ich russisch. Er ging telefonieren, vermutlich mit seinem Chef.
0745 Uhr, Chef lässt ausrichten, dass wir passieren dürfen. Fz-Ausweis zeigen und Willy drängelt sich zwischen Lastwagen und PW-Kolonne durch.
0750 Uhr, lettischer Zollbeamte will wissen, was wir ausführen, er versteht uns nicht, hat aber Freude am Patrouillenwagen und wir kriegen den ersten Stempel auf einen Laufzettel.
0800 Uhr, nächster Kontrollposten. Chef schaut unsere Pässe an, gibt uns einen zweiten Stempel auf den Laufzettel.
0810 Uhr, wir sind am Schlagbaum der „Endkontrolle“ der lettischen Grenzabfertigung. Pässe, Laufzettel und weitere Papiere werden nochmals kontrolliert und dann haben wir die Ausreise geschafft.
0825 Uhr, Erster Schlagbaum der Russen. Ein „Dobri dien!“ brachte bei der Beamtin kein Lächeln hervor. Auch ihre beiden Kollegen vom russischen Militär sind vermutlich Morgenmuffel. Naja, vielleicht hab ichs auch nicht richtig ausgesprochen. Es folgte Pass und Visumkontrolle. Die vorgezeigte Einladung in russischer Sprache beschleunigte alles etwas.
0845 Uhr, Wir fahren in eine von fünf Wartespuren und stehen zur Passkontrolle an. Leider arbeiten nur zwei Beamte und es dauert. Zudem ist Sonntagmorgen und da geht’s bekanntlich besonders schnell.
0900 Uhr, Die Passkontrolle ist erledigt und wir müssen zum Zoll. Glücklicherweise gibt’s die Zolldeklaration auf englisch und wir füllen alles aus. Zöllner hat es viele, die um unser Auto rumlaufen, aber nur einer ist für sämtliche Einreisen zuständig, kein Wunder dauert alles so lange. Da der Kopierer kaputt ist, darf ich ein zweites Papier identisch beschreiben und als ich alles abgeben will, heisst es „Pause!“. Der Zöllner packt seinen Locher und Bostitsch, löscht das Licht und verschwindet. Wir warteten und kamen mit einem Kasachen aus Deutschland ins Gespräch Er sei auf dem Weg in die Heimat. Bis Moskau hätten wir von jetzt an mit viel Glück 12 Stunden, weil es auf den ersten 100 Kilometer keine Strasse gebe. Sensationell, so was hat uns gerade noch gefehlt.
Genau 20 Minuten später wird der Locher und Bostitsch wieder in die Kabine getragen, das Licht geht an und es folgt eine akribische Kontrolle der Zolldeklaration, insbesondere des Fahrzeugausweises, unserer Fahrberechtigung usw. Wir lassen eine Toblerone dort und der Zöllner lächelt, als wäre Weihnachten.
0935 Uhr stehen wir am letzten Schlagbaum. Alles wird nochmals geprüft und wir haben es geschafft. Etwas mehr als 2 Stunden! Wir sind stolz und froh, dass es so schnell ging.
Willkommen in Russland
Nun bin ich am Fahren und warte seit 70 km darauf, dass die Strasse, wie vom Kasachen prophezeit, aufhört. Zum Glück hatte er unrecht. Die Strasse ist sehr gut. Ab und zu kommen alte Abschnitte mit tiefen Spurrinnen, wo wir langsamer als 90 km/h fahren müssen.
Die M9 ist keine Autobahn, sondern eine breite Überlandstrasse, wo die langsameren Fahrzeuge etwas auf den Standstreifen fahren, damit das Überholen besser klappt.
Ansonsten sind wir sehr überrascht. Mindestens alle 50 km kommen eine Tankstelle und ein Restaurant. Entlang der Strassen hat es immer wieder Bauern, die ihre Ware verkaufen wollen. Praktisch alle haben Eierschwämmli und Honig im Angebot.
Kurz vor Moskau beginnt die Autobahn, welche bis zum Cityring auf 7 Spuren anwächst. Wir kommen gut voran und erreichen das Hotel Vega bereits am frühen Abend, wo wir auf die anderen Sternfahrer treffen.
Der nächste Tag beginnt mit einer interessanten Stadtrundfahrt, etwas Freizeit und einer Führung durch die schönsten U-Bahnhöfe Moskaus.
Tags darauf hätte die Abfahrt nach Vladimir vom Roten Platz aus stattfinden sollen. Leider wurde dies vom Veranstalter abgesagt und der Konvoi fuhr direkt Richtung Vladimir.
Da wir noch ein schönes Foto mit einem Wahrzeichen von Moskau machen wollten, fuhren wir somit alleine durch den Morgenverkehr zum Roten Platz und stellen das Basilea 53 vor die Basilius Kathedrale. Kaum hatte ich Fotoapparat und Stativ installiert, kam ein junger Mann, der wie ein Tourist aussah, zu uns. Er zeigte einen Ausweis, sagte er sei vom Staatsschutz und dass wir sofort wegfahren müssen. Tobias konnte 3 Minuten aushandeln und so entstanden ein paar imposante und vermutlich einmalige Fotos.
Nach exakten 2 Minuten 59 Sekunden kam der Mann erneut in unsere Richtung und wir packten zusammen und fuhren in Richtung Wladimir davon.
Wladimir liegt knapp 200 km östlich von Moskau, hat etwas über 300'000 Einwohner und war früher Hauptsitz der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Auf dem Hauptplatz fand die Zieleinfahrt statt und anschliessend ging’s für uns weiter nach Suzdal, wo unser Hotel war.
Am Eröffnungsabend wurden wir durch den Stadtpräsidenten, den Polizeioberst und weiteren Personen begrüsst. Anschliessend hatten wir beim Abendessen viele Gespräche über die Anreise nach Moskau. Danach, wie kann es auch anders sein, war die Polizeiarbeit Thema Nummer 1. Dazu kann ich nur soviel sagen: Wir haben es ganz gut bei uns in der Schweiz.
Am nächsten Tag fanden Bus-Ausflüge in die Region statt. Wir machten mit dem BS 53 Sightseeing.
Donnerstags kam dann die Europameisterschaft. Der Geschicklichkeits-Parcour musste dieses Mal mit einem Lada und bei den Motorrädern mit einem 125er der Marke MINSK absolviert werden. Der Parcour war recht anspruchsvoll. Mit meinen kurzen Beinen hatte ich einen grossen Vorteil gegenüber Willy, der kaum Platz auf dem Motorrad fand. Die Rangliste kann man unter www.ipmc.org anschauen. Glücklicherweise gab es keine grösseren Streitigkeiten und Unstimmigkeiten, sodass ich als Schiedsrichter wenig zu tun hatte.
Beim Delegiertenkongress am nächsten Tag besprach man die Pannen und der Veranstalter entschuldigte sich für die vielen Umstände. Hier noch eine Situation wie es der Polizei in Russland zur Zeit geht: Präsident Medwedew erneuert zur Zeit sein Innenministerium. Die Miliz wurde zur Polizei umbenannt und man will viele überschüssige Funktionen streichen. Dies bedeutet, dass vor allem hohe Polizeifunktionäre in der nächsten Zeit versetzt werden könnten. Heute St. Petersburg und eine Woche später Nowosibirsk wenn man Pech hat. Darum haben viele Generäle Angst um ihre Arbeitsstelle und wenig Zeit sich um die Organisation der Sternfahrt zu kümmern.
Tobias wurde einstimmig zum Generalsekretär der IPMC gewählt und ich darf für zwei weitere Jahre im Schiedsgericht sein.
Die 66. Polizeisternfahrt findet vom 21. – 25.08.2012 in Graudenz (Grudziądz)/PL statt. Die am Kongress vorgeführte Präsentation läßt auf eine gute Organisation hoffen. http://www.ipmcrally2012.pl
Nach einem etwas durchzogenen Abschlussabend traten wir früh unsere Heimreise an, da wir bis am Abend das Land wieder verlassen mussten. Die Rückreise lief ebenfalls ohne Probleme und bereits nach 2 ½ Tagen, erreichten wir wieder Basel. Insgesamt sind wir 7000 km gefahren und das Basilea 53 verbrauchte knapp 1000 Liter Benzin.
Obwohl von der Organisation nicht optimal abgelaufen, war es für mich trotzdem eine sehr interessante Sternfahrt. Ich kann jedem, der noch nicht in Russland war, empfehlen einmal dorthin zu reisen. Wir haben die Russen als sehr gastfreundlich kennen gelernt.
Für die grosszügige Unterstützung danken wir Oberstlt Rolf Meyer, Oblt Simon Spörri und dem PMC Basel-Stadt. Ohne ihre grossartige Unterstützung wäre unsere Teilnahme an dieser Sternfahrt nicht möglich gewesen.
Kpl a.i. Hugentobler, Verkehrspolizei, Ressort Intervention, Tour 4

